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Published on Oktober 7th, 2012 | by Rostig

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Captain America: Super Soldier (Review und Kritik)

Captain America: Super Soldier (Review und Kritik) Rostig
Grafik - 50%
Sound - 80%
Gameplay - 60%

Summary: The Good: simple Hau drauf-Actionprügelei, flüssige Animationen der Hauptfiguren, semioffene Spielwelt, spaßige Bosskämpfe, solide Spieldauer The Bad: geringe Gegnervielfalt, unbeständige Bildrate, nervige Itemsammelei, trotz Open World-Ansatz furchtbar linear, zu leicht, automatisiertes Gameplay

64%


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Es ist der Sommer der Comicverfilmungen – Während Marvel unbeirrt auf das größenwahnsinnige „Avengers“-Projekt zusteuert und mit Thor und Captain America  (und unabhängig davon dem  X-Men-Prequel „First Class“) zwei weitere Vertreter ins Rennen um die Gunst der Kinobesucher schickt, ist auch DC mit seinem Franchise nicht ganz untätig und liefert mit The Green Hornet und Green Lantern ihre Beiträge ab. Und ähnlich dem Superhelden-Staffellauf in den Lichtspielhäusern,  gestaltet sich auch die Lage im Videospiel-Bereich. Zu fast jedem Film gibt es auch eine begleitende Lizenzversoftung. Dass solche sich in der Regel nicht unbedingt durch eine hochwertige Qualität auszeichnen, ist allseits bekannt, zu groß ist der Druck pünktlich zum Kinostart das Spiel in die Kaufhausregale zu bringen. Jetzt sind es gerade SEGA, die in der jüngsten Vergangenheit negativ durch technisch und spielerisch maue Marvel-Filmumsetzungen aufgefallen sind. Seien es das ohnehin schon unterdurchschnittliche Iron Man oder der Totalausfall Thor – Mit diesen Lizenzgurken hat der Publisher sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert.  Und nun soll also der patriotischste aller Marvelrecken, der im zweiten Weltkrieg als Produkt der US-amerikanischen Propagandamaschinerie auf den Markt geworfen wurde und das „Übermensch“-Motiv der Nazis gewissermaßen persifliert, den Karren wieder aus dem Mist ziehen  – Ob das gutgehen kann? Ich muss zugeben, ich stand diesem Machwerk vorurteilsbehaftet gegenüber, Anlass zur Skepsis war jedenfalls gegeben. Erfreulicherweise darf ich verkünden, dass das Endprodukt nicht ganz der hoffnungslose Fall ist, wie ich es vorab angenommen habe. Die Rechnung daran tragen die Next Level-Studios, die sich für Captain America: Super Soldier verantwortlich zeigen. Die Kanadier können nämlich einen durchaus soliden Backkatalog vorweisen – Mit den Mario Strikers-Titeln konnten kleine Achtungserfolge erzielt werden und auch mit ihren Spiderman und Transformers-Spielen lieferten sie durchwegs brauchbare Software-Elaborate ab. Aktuell sitzen die Jungs und Mädels von Next Level zudem an dem Luigi´s Mansion Sequel für den Nintendo 3DS. Eine solide Grundlage also, die sich auch in dem Qualitätsanspruch des vorliegenden Machwerkes äußert. In welche Fußstapfen Captain America: Super Soldier stapfen möchte, wird bereits in den ersten Spielminuten deutlich.  Während  der „Cap“ (der sich mit bürgerlichem Namen Steve Rodger schimpft)sich in den Tutorial-Passagen durch enge Schützengräben wuselt und reihenweise (High Tech)Nazi-Schergen vermöbelt, macht das Spiel zu keinem Zeitpunkt einen Hehl daraus, bei wem es sich Gameplay-technisch bedient – Bei jeder Bewegung und jedem brachialen Faustschlag fühlt man sich unmittelbar an Rocksteadys grandioses Batman: Arkham Asylum erinnert, wenngleich auch in einer deutlich abgespeckten Variante.  Geschmeidig gleitet und springt der kräftige Supersoldat von Gegner zu Gegner, verpasst ordentliche Hiebe, weicht gekonnt aus und blockt gegnerische Übergriffe ab. Selbst das markante Schild ist hier das Äquivalent zum Batarang und lässt sich passgenau den Kontrahenten entgegenschleudern. Das alles ist zwar nicht besonders innovativ, vielmehr dreist kopiert, aber wenigstens hat Next Level sich genug Zeit genommen, die Hausaufgaben einigermaßen ordentlich vom großen Bruder abzuschreiben. Denn wie sagt man so schön? Gut geklaut ist besser als schlecht selbst erfunden und offenbar ist selbst das eine Kunst. Auch beim Upgrade-System orientiert man sich am Original – Für erledigte Gegner und spektakuläre Combos gibt es ebenso Erfahrungspunkte wie für das Finden der zahlreichen versteckten Items. Diese kann man dann in neue Angriffstechniken investieren – Das Skillsystem ist denkbar simpel: Drei Zweige (also „Schlagen“, „Konter“  und Verbesserung des „Schildes“) bieten jeweils vier Aufwertungsstufen. Das sind deutlich weniger als beim Rocksteady-Pendant, allerdings sind  die zu erwerbenden neuen Fähigkeiten durchaus hübsch anzusehen und wirken mitunter sehr effektiv. Beispielsweise kann man eine Druckwelle auslösen, indem man den Schild in den Boden rammt und somit die Gegner rings um einen herum niederschmettert. Die Angriffsmöglichkeiten sind, sofern komplett ausgebaut, mächtig – So mächtig, dass die simpel gestrickte KI der Soldaten geübte Spieler im letzten Drittel des Spiels unterfordern mag. Lichtblicke sind die amüsanten Bossfights, die zwar nicht wesentlich anspruchsvoller sind, aber dennoch Spaß machen. Einzig der Endgegner wirkt in dieser Riege auffallend lahm angesichts seiner gigantischen Proportionen. Die Gegnerbandbreite ist im Übrigen relativ überschaubar – Im Grunde wird ausschließlich zwischen „einfachen“ und „fortgeschrittenen“ Widersachern differenziert (was rund zehn verschiedene Gegnertypen sein dürften), ausgenommen von dieser Zählung sind die Handvoll Zwischengegner und Bosskämpfe zwischendurch. Sicher, das klingt nicht allzu spannend, durch das angenehm flüssige, an Arkham Asylum´s Free-Flow angelehnte Kampfsystem macht die Prügelei aber bis zum Ende hin durchgehend Spaß. Die Klasse der Fledermaus erreicht der „Cap“ trotzdem weder technisch noch spielerisch zu keinem Zeitpunkt. Und wenn wir schon bei der Technik sind:  „Captain America: Super Soldier“ zeigt sich grafisch eher bieder und wenig zeitgemäß. Die Umgebungsgrafiken sehen stellenweise aus, als würde man ein Spiel der letzten Konsolengeneration vor der Nase haben. Die Charaktermodelle hingegen können durchaus überzeugen, wenn man die steifen,  ausdruckslosen Gesichtsanimationen außen vor lässt. Es ist schade, dass trotz offensichtlicher grafischer Defizite eine stabile Bildrate nicht gewährleistet werden kann. Wer sich auf einen Ausflug mit dem „Cap“ einlässt, muss teilweise starke und ungemein störende Ruckler hinnehmen – Der vollständige 3D-Support ist da zwar ein nettes Feature, vermag aber kaum über diesen Umstand hinweg zu trösten. Immerhin haben die Designer von Next Level eine glaubwürdige Semi Open-World gezimmert, die durchaus interessante und wohlproportionierte Passagen ihr Eigen nennt. Das Ganze ist auch hier wieder mit der frei erkundbaren Arkham –Insel vergleichbar, die ebenfalls auf eine eingeschränkte offene World setzt. Doch während Rocksteady es schafft die Illusion der Freiheit durch kontextbezogene Einschränkungen aufrecht zu erhalten, etwa durch Hindernisse die man nur mit bestimmten Techniken überwältigen kann, steht man bei „Super Soldier“ schlicht vor verschlossenen Türen. Da geht die vermeintliche Freiheit also flöten, und man landet als Spieler auf dem Boden der (linearen) Tatsachen. Ich habe es ja bereits im Vorfeld angedeutet: Captain America: Super Soldier ist ein wahres El Dorado für Jäger und Sammler. Es gibt wirklich unzählige Objekte zu finden – Das fängt an bei den „Dossiers“ und „Dossier Mappen“, über „Hydra-Akten“, „Pickel-Hauben“ und „Zemo-Filmbändern“, hin zu „Goldenen Hähnen“ und diversen anderen Skulpturen und Figuren. Wer also die vollen 100 % des Spiels ausloten möchte,  wird für die Suche nach besagten Trophäen einige Stunden investieren müssen.  Über den Sinn oder Unsinn dieser kleinen Boni kann man streiten, denn wirken die Items ziemlich planlos und willkürlich gesetzt, sodass man ein echter Enthusiast sein muss, um das Bedürfnis zu verspüren, alle Gegenstände einzusammeln. Belohnt wird man i.d.R. lediglich mit einer geringen Menge Erfahrungspunkte. Darüber hinaus gibt es diverse „Nebenaufgaben“ zu bewältigen, die meist mit der Zerstörung von Hydra-Kriegsmaschinerie zu tun haben (z.B. die Flak-Geschütze) oder der  viel zu anspruchslosen Entschlüsselung von Enigma-Maschinen. Das Spiel hat eine Netto-Spielzeit von etwa 9-12 Stunden, will man sich hingegen ausschließlich durch die 18 Kapitel-umfassende Hauptkampagne kämpfen, benötigt man rund 6 Stunden. Um schließlich noch ein paar Worte zur Geschichte zu verlieren: Diese ist im Grunde völlig belanglos und lässt sich in einem, höchstens zwei Sätzen zusammenfassen. Der finstere, manipulative Bösewicht Red Skull will mithilfe des Superhelden-Serums den Gefolgen des dritten Reiches zur Macht verhelfen.  Diese Pläne gilt es in der Gestalt des Captains und seiner Division zu vereiteln. Dabei wird man u.a. mit wohlbekannten Bösewichtern konfrontiert, wie dem perfiden, egozentrischen Wissenschaftler Dr. Arnim Zola, der sadistischen Hydra-Anführerin Madame Hydra oder dem vernarbten Baron von Strucker. Erstaunlicherweise ist die an und für sich sehr ideenarme, lose an den Kinofilm angelehnte Storyline, recht packend und durchaus spannend inszeniert. Schön sind auch die Referenzen auf die „Avengers“, so ist Tony Starks (Iron Man) Vater Howard mit seinen Stark Industries hier der kreative Geist, Lieferant und Ausstatter für Caps technische Utensilien. Positiv fällt auch die durchwegs hochwertige Synchronisation auf – Das Original kann zwar mit der Synchronstimme des Filmdarstellers Chris Evans aufwarten, doch auch die deutsche Lokalisierung leistet sich im Wesentlichen keine groben Schnitzer. Der Score ist ebenfalls ganz brauchbar und  weist die angemessene Dynamik in Kampf und Erkundungsszenen auf. Auf akustischer Ebene kann man also durchaus mit Qualitätsarbeit punkten. Ansonsten gibt es last but not least einen Herausforderungen-Modus, der aber relativ banal gestaltet ist. Meist gilt es in einem bestimmten Zeitkorridor eine bestimmte Menge an Gegnern zu erledigen oder diverse Sprungpassagen zu meistern. Kleinere kreative Einfälle lauern aber auch hier: So gibt es eine Art PAC-MAN Verschnitt, in der man durch ein Labyrinth auf der Suche nach bestimmten Gegenständen wuselt und dabei von den bösen Nazi-Schergen verfolgt wird. Die Besonderheit liegt darin, dass man nicht angreifen sondern ausschließlich flüchten kann. Erwirbt man ein Power-Up, dreht man den Spieß einfach um, und der Gejagte wird zum Jäger. Da schimmern immer wieder ein paar kleinere Gamedesign-Spielereien durch, deren Potential leider nicht in Gänze ausgeschöpft wird. Fazit: Die Operation ist gelungen, der Patient lebt. Nach dem Qualitätstod, den SEGA mit seinen unterirdischen Marvel-Versoftungen gestorben ist, wirkt Captain America: Super Soldier fast wie eine Offenbarung. Ich habe wirklich gar nichts erwartet, nicht zuletzt weil ich Captain America als Comicheld eher peinlich finde, aber erstaunlich solide Unterhaltung geboten bekommen. Sicher, Rocksteadys Batman: Arkham Asylum spielt nach wie vor in einer ganz anderen Liga, aber für rund acht Stunden habe ich mich wirklich wohl gefühlt in der Rolle des Caps. Potential wurde verschenkt, keine Frage. Hier und da blitzen kleine Details hervor, die durchaus einen kreativen Gedanken vermuten lassen, aber scheinbar wollte man dann doch die sichere Schiene fahren und sich nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen. Summa Summarum haben wir ein amüsantes, überaus kurzweiliges Spiel, welches für Lizenzspiel-Verhältnisse ganz ordentlich ist, seine aufrechte Haltung vor den „großen“ Produktionen aber nicht ganz wahren kann. Leider fehlen für diesen Schritt doch die erinnerungswürdigen „Magical Moments“. Getestete Version Xbox360 Dt. Fassung Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch Schnitte Nein Multiplayer & Sonstiges   -

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