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Published on Oktober 7th, 2012 | by Rostig

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Tekken Hybrid (Review und Kritik)

Tekken Hybrid (Review und Kritik) Rostig
Grafik - 60%
Sound - 50%
Umfang - 50%

Summary: Gut: Tekken Tag Tournament macht nach wie vor Spaß, Tekken Tag Tournament 2 Prologue sieht hübsch aus und spiel sich dynamisch, Tekken Blood Vengeance ist ein seichtes, aber angenehmes Feel Good-Movie, Tropies für TTT Schlecht: TTT nicht mehr zeitgemäß + kein HD in den Cutscenes, keine Online-Anbindung, TTT2P nur eine Art Mini-Demo mit zu geringem Umfang, Blood Vegeance verliert sich in banalem Kitsch und kindlichen Dialogen

54%


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Schaut man sich so die Veröffentlichungspolitik der letzten Monate an, bekommt man unweigerlich den Eindruck, dass die Publisher große Fans von HD-Neuauflagen sind und am liebsten nur noch hochaufgelöste Remakes alter Kamellen auf den Markt bringen würden. Man kann es ihnen nicht verübeln,  wenn man den relativ geringen Produktionsaufwand im Vergleich zu aufwändigen Neuproduktionen bedenkt. Und dann ist da schlussendlich die Frage nach der Existenzberechtigung, denn da muss klar differenziert werden:

Handelt es sich etwa um längst vergriffene Klassiker für alte Konsolengenerationen, dann ist es natürlich auch für jüngere Semester interessant, diese Perlen nachzuholen, ohne auf überteuerte Sammlerobjekte zurückgreifen zu müssen. Während man also einem ICO & Shadow of the Colossus-Remake seine Daseinsberechtigung nicht ohne weiteres absprechen muss, sieht die Lage etwa bei der Tomb Raider Trilogy schon ein wenig anders aus.

Dass auch Namco Bandai dieser Schiene nicht ganz abgeneigt ist, haben sie bereits mit dem jüngst in Japan veröffentlichten Hybrid-Package zur Gundam-Reihe gezeigt.  Mit „Tekken Hybrid“ will Namco Bandai nun also ein dickes (Weihnachts)-Paket für die Jünger der beliebten Beat ´em´ Up-Serie zusammenschnüren, bestehend aus der aufpolierten Fassung des mittlerweile elf Jahre alten Tekken Tag Tournament, einer Prologue-Variante des kommenden Tekken Tournament 2 und dem CGI-Filmchen Tekken Blood Vengance, welches optional sogar im schicken 3D-Modus geschaut werden darf. Erst mal viel Umfang für die etwa vierzig Öcken, die dafür verlangt werden, kann das vermeintlich stimmige Paket also durchgängig überzeugen? Das erfahrt ihr im Test.

Als Tekken Tag Tournament vor elf Jahren erschien, gehörte das Prügelspiel-Urgestein seinerzeit zum Besten, was das vergleichsweise mickrige Launch-Aufgebot der damals noch mördermäßig teuren Playstation 2-Kiste (für das Bundle mit TTT habe ich damals, als ich noch jung war, noch unglaubliche 1000 DM hingelegt) zu bieten hatte. Und obschon TTT mittlerweile trotz HD-Grafik arg angestaubt wirkt, macht es nach wie vor einen Heidenspaß, sich mit seinen Kumpels packende Gefechte zu liefern. Neben dem PSX-Klassiker Tekken 3 gehörte Tekken Tag Tournament mitunter zu den Teilen, welche ich am intensivsten gespielt habe, was nicht zuletzt an der zahlenmäßig umfangreichsten Kämpferriege liegt,  die je in einem Tekken-Titel bereitgestellt wurde.

Pionierarbeit hat der Titel zudem bei der Einführung  des Tag-Systems geleistet, welches erstmals ein Team aus zwei Kämpfern ermöglichte, die bei Bedarf ausgewechselt und regeneriert werden konnten, wodurch die Kämpfe nicht nur länger sondern auch intensiver und taktisch anspruchsvoller ausgefallen sind. Das Tag Team-System ist mittlerweile eine Komponente, welche in dieser Form Einzug in viele aktuelle Beat em Ups dieser Generation erhalten hat (u.a. Dead or Alive 4, Mortal Kombat 9). Die Kämpfe sind immer noch schnell, hart, dynamisch und anspruchsvoll – Dank erstmaliger 60 Hz-Unterstützung in der PAL-Fassung sogar flotter als das europäische Original, welches mit seiner 50 Hz-Limitierung gegenüber der NTSC-Fassung tempomäßig deutlich Federn lassen musste – Das wird vor allem alteingesessene Kenner der Reihe freuen.

Am sonstigen Umfang hat sich praktisch nichts geändert – Sämtliche Spielmodi des Originals sind enthalten, insbesondere das überaus amüsante Tekken Bowl dürfte hier eine Erwähnung wert sein. Wer sich also eine Auszeit von fingerkrampflastigen Martial Arts-Exzessen gönnen möchte, darf sich nunmehr auch in HD an das wohl beste Minispiel wagen, dass es bis zum heutigen Tag in ein Tekken-Spiel geschafft hat. Für den kurzen Zeitvertreib ist der charmant-trashige Bowling-Spaß auf jeden Fall gut geeignet. Stutzen musste ich hingegen bei den Cut-Scenes – Während das Spiel durchgängig im 16:9 Format präsentiert wird, verbleiben die gerenderten Zwischensequenzen im klassischen 4:3 Bildseitenverhältnis „zurecht“gestaucht, zumal das Bild in diesen Momenten so verwaschen wirkt, wie seinerzeit auf der Röhre. Da darf man mit Recht nachfragen, was das Ganze denn soll – Ein solch erheblicher Mehraufwand wäre es nicht gewesen, die Cut-Scenes an die Bildschirmverhältnisse gängiger Fernseh-Geräte anzupassen und auch den kleinen Filmchen eine HD-Politur zu verpassen. Nichtsdestotrotz, TTT ist immer noch ein klasse Spiel, mit dem man, den Inhalt der Hybrid-Bluray als Maßstab betrachtet, die meiste Zeit verbringen wird.

Viele Worte muss ich nämlich nicht zur Prologue Fassung des 2012 erscheinenden Nachfolgers von Tekken Tag Tournament verlieren. Im Grunde genommen haben wir hier nicht mehr als eine Demo-Fassung des fertigen Spiels vorliegen – Ein kurzer Arcade-Modus, ein paar wenige Stages und vier Kämpfer sind verfügbar, welche zugleich die Pro- bzw. Antagonisten des beiliegenden CGI-Spielfilmes sind: Xiaoyu, das Cyborg-Lolita-Girl Alisa Bosconovitch sowie die beiden Devil-Formen von Kazuya Mishima mitsamt Sohnemann Jin Kazama. Das Kampfsystem ist dem von TTT ähnlich, fühlt sich aber spürbar dynamischer und runder an. Grafisch ist das ganze durchaus hübsch geraten, aber nicht zwangsläufig DER massive Technik-Overkill.  Ich verbleibe dabei und meine, dass der Umfang definitiv zu gering ist, um einen Ausblick auf das fertige Spiel in Form eines Statements geben zu können.

Beide Spiele werden im Übrigen lokal auf der Festplatte installiert und belegen jeweils ca. ein Gigabyte – Ein Spielen ohne eingelegte Bluray ist aber trotz allem nicht möglich, was ich schade finde. Zudem wurde die Neuauflage von Tekken Tag Tournament ganz obligatorisch um das Trophy-System ergänzt.

Kommen wir last but not least zum CGI-Film: Wer pausenlose, ungezügelte Martial Arts-Daueraction erwartet, wird enttäuscht sein – Erst das letzte Kapitel des Filmes wartet mit spektakulären Kämpfen auf. Allerdings darf man auch kein intellektuell forderndes Arthouse-Kino erwarten: Dazu ist die Handlung zu infantil, die Dialoge zu dümmlich. Trotzdem hatte ich meinen Spaß mit Tekken Blood Vengeance, deutlich mehr jedenfalls als etwa mit dem unsäglichen Tekken-Live Action Movie.

Die Rahmenhandlung ist schnell erklärt: Der einflussreiche Konzern Mishima Zaibatsu (geführt von Jin) und die konkurrierende G-Corporation (in der Hand von Väterlein Kazuya) wollen den Überlebenden eines denkwürdigen und verlustreichen Gen-Experiments ausfindig machen, der wie die Mishima-Blutlinie mit dem Teufelsgen versetzt wurde.  Die lebenslustige, quirlige Ling Xiaoyu ist Schülerin am Mishima Polytechnikum, als sie eines Tages vom Rektor rausgeworfen wird und an eine Internationale Schule transferieren muss. Sie wird von der mysteriösen Anna Williams damit beauftragt, als Spionin Informationen über den Schüler Shin Kamiya in Erfahrung zu bringen, der offenbar bereits mehrere vermeintliche Suzidversuche hinter sich hat. An der Schule freundet sie sich mit der gutmütigen Alisa Bosconovitch an, die es ebenfalls auf den jungen Kamiya abgesehen hat. In der Annahme, dass beide in den jungen (mysteriösen, wie profillosen) Herren verschossen sind, rivalisieren sie auf eine liebenswürdige Art und Weise um die Gunst des introvertierten Schülers. Die Funktion der beiden Mädchen in ihrer Rolle als Agentinnen (und skrupellose Killer-Cyborgs mit liebenswürdiger künstlicher Intelligenz) konkurrierender Unternehmen, lässt das Ganze aber selbstverständlich und zwangsläufig in einem unerbittlichen Kampf auf Leben und Tod münden. War die Freundschaft zwischen dem ungleichen Paar also nur eine große Lüge, oder kann man sich schlussendlich doch über die tödliche Bestimmung hinwegsetzen? Was hat es mit der verfluchten, generationenübergreifenden Mishima-Blutlinie zu tun und welche Bedeutung hat das Mutare-Experiment für Shin Kamiya? Fragen über Fragen, die Antwort liefert Tekken Blood Vengeance.

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Die Geschichte um skrupellose Konzerne, gefährliche Experimente und generationenübergreifende Vater-Sohn-Konflikte bildet wie immer den Kern einer jeden Tekken-Hintergrundgeschichte. Dass man sich dieses Mal aber entschied, die Hauptrolle an die junge Chinesin Xiaoyu zu vergeben, hat erhebliche Auswirkungen auf die Stimmung, die Blood Vengeance vermittelt. Denn gerade die Freundschaft zwischen der quirligen Asiatin mit ihrem erstaunlich human wirkendem Spielkameraden Panda und dem scheinbar gutmütigen Cyborg-Mädchen Alisa mit ihrem pinken Haar, ist sehr verspielt inszeniert, erinnert etwa an die in Japan populären High School-Comedy-Romantik-Animes. Die Dialoge wirken infantil, mädchenhaft und sind unglaublich von dem klischeebehafteten japanischen Romantikkitsch durchsetzt, dass man als (männlicher) Erwachsener allzu oft gerne in Fremdscham versinken würde. Und trotzdem: Die humoristischen und dramatischen Einlagen machen aus der ewigen Kämpferei zwischenzeitlich ein kleines, unschuldiges Feel Good-Märchen, welches einen krassen Gegenpol zur eher tristen, von Intrigen und Machtkämpfen geprägten Industrie-Welt der Hauptreihe darstellt.  Schade ist allerdings, dass man den anderen Tekken-Charakteren keinen Platz eingeräumt hat. Das Potential wäre dagewesen, denn die Geschichten der Kämpfer sind oftmals eng miteinander verzweigt.

Die CGI-Animationen sind vergleichbar mit denen von Final Fantasy: Advent Children und sind qualitativ sehr gut bis solide. Speziell die Kampfszenen gegen Ende des Filmes (ich erwähne bloß das riesige Mokujin-Ungetüm) sind sehr schön animiert und wirklich ansehnlich. Speziell in ruhigen Momenten wirken einige Animationen zwar ein wenig holprig, aber Freunde von animierten Motion Capture-Konglomeraten dürfen trotzdem ein Auge drauf werfen. Die 3D-Ansicht konnte ich mangels 3D-fähigem TV-Gerät leider nicht antesten, möchte mich zu guter Letzt aber noch zu den Synchronisations- und Lokalisierungsleistungen äußern. Wahlweise steht die original japanische Sprachausgabe zur Verfügung, ansonsten kann man sich auch mit der guten (bzw. zweckmäßigen) englischen Synchro  zufrieden geben und optional die gut übersetzten, deutschen Subtitles laufen lassen. Dass grundsätzlich aber eine deutsche Tonspur vollends fehlt find ich erstaunlich, ob der Tatsache, dass die DVD/Bluray-Verkaufsfassung von Tekken Blood Vengeance eben diese enthält. Das finde ich ehrlich gesagt nicht nur fragwürdig, sondern auch ein wenig garstig, denn bekomme ich den Eindruck, dass mir etwas vorenthalten wird.

Fazit: Tekken Tag Tournament ist immer noch ein gutes Spiel, wirkt aber hoffnungslos veraltet. Dass die Cut-Scenes mit dicken Balken auskommen müssen wurmt mich, denn es zeugt von erheblicher Lieblosigkeit bei der Umsetzung. Auch die Prologue-Fassung des TTT-Nachfolgers macht zwar Spaß, verdient den „Prologue“-Titel aber in keinster Weise, denn mehr als eine Art Mini-Demo mit seinen kümmerlichen vier Kämpfern ist das „Spiel“ nun auch nicht. „Tekken Blood Vengeance“ ist Geschmackssache – Mit seinem gefühlsdussligen, betont niedlichen Freundschaftskitsch dürfte er viele Tekken-Veteranen eher das Weite suchen lassen. Als Feel Good-Martial Art Movie, der Werte wie Freundschaft und den Mut zur Vergebung in den Vordergrund stellt, empfand ich ihn nach der  desaströsen Realverfilmung als angenehm kurzweilig. Lohnen sich die vierzig Euro Investition in die „Hybrid“-Compilation? Vermutlich nicht,  denn der Film ist in der „vollständigen“ Fassung bereits für 16 EUR erhältlich – Für Demos zahlt heute kein Mensch mehr etwas und die HD-Neuauflage des Playstation 2-Klassikers  rechtfertigt keine 34 EUR, da müsste mehr drin sein,  ein nachgerüsteter Online-Modus etwa wäre das mindeste.  Just my two cents.

Getestete Version

Playstation 3 (Promo Exemplar)

Sprachen

Spiel: Englisch, deutsche Bildschirmtexte

Film: Englische/Japanische Sprachausgabe, Untertitel: EFIGS

Schnitte

Nein

Multiplayer

Klassischer Versus-Mode, keine Online-Anbindung

Film-Extras

30 Minuten Extras & Bonusmaterial, 3D kompatibel

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