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Published on Februar 21st, 2013 | by Rostig

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Sony Playstation Meeting: Playstation 4 – Ankündigung – Ein Resümee

Technikaffine Nachtschwärmer durften in der gestrigen Nacht bzw. am heutigen Morgen starren Auges und vielleicht auch mit ein bisschen Vorfreude im Gepäck, das mit großem Tamtam angekündigte Sony Meeting live aus New York auf den heimischen Displays verfolgen. Bereits im Vorfeld machten sich unzählige Gerüchte (mitunter auch konkrete Hinweise) breit, dass es sich speziell um die Ankündigung der neuen Playstation-Generation (d.h. Playstation 4) handeln würde. Und tatsächlich wurde nach grausam viel PR-Geschwafel (u.a. um die nur noch halblebendige PS Vita) schließlich die Playstation 4 zum zentralen Gegenstand der Keynote gemacht. Couchheroes.de fasst für euch nochmal die wichtigen Eckdaten zusammen, etwa die technischen Daten oder die (voraussichtlichen)  Launch-Titel. Zum Schluss gibt es noch ein kleines Fazit, wie wir das medial sehr aufwendig  gehypte Presse-Event im Ganzen bewerten.

So wird der Dualshock 4 voraussichtlich aussehen

Der Dualshock 4 ist mit einem Touchpad und verbesserten Analog-Sticks ausgestattet

„Innovation“, „Konnektivität“ und „Immersion“ – Das waren die offenkundigen Schlüsseltermini der ganzen Präsentation, von einem Gaming-„Öko-System“ wurde gesprochen, welches den Spieler in den Mittelpunkt stellt. Mit einem dezenten Stirnrunzeln frage ich mich hingegen, wo sich die vermeintlich großgeschriebenen Innovationen versteckt haben. Aber gehen wir ein bisschen objektiver an die Sache heran:

Bereits relativ früh wurde die Fahrtrichtung der Marke Playstation definiert. Group CEO Andrew House ließ verlauten, man wolle sich mit der Playstation 4 weg von der stationären Konsole selbst bewegen, hin zu einem größeren Ganzen: Man wolle mit der Playstation 4 neue Wege ergründen, hinsichtlich der Flexibilität und Machbarkeit von neuartigen Business-Modellen.  Danach wurde es ein wenig interessanter, als er seinen Kollegen Mark Cerny vorstellte.

Technikcheck und Social Media

Mark Cerny, seines Zeichens Game Designer, Coder und Produzent von diversen namhaften Videospiel-Produktionen und nun auch Lead Architect der Playstation 4, sprach davon, dass man zwar sehr stolz auf die in der vorangegangenen Konsolen-Generation genutzte Cell-Architektur gewesen sei, dass ein zu hohes Maß an Eigenentwicklungen aber auch möglicherweise entwicklerfeindlich sei. Man habe einen sehr weitreichenden Dialog mit den Entwicklern geführt und die Playstation 4 sei mit ihrer vertrauten Hardware-Basis ein System von Content Developern für Content Developer.

Es scheint, als wolle Sony mit der Playstation 4 auf Nummer sicher gehen und einen ähnlichen Fehlschuss wie zum Launch der Playstation 3 vermeiden: Im Grunde genommen ist die Playstation 4 ein „kleiner“ PC – Im Inneren werkelt ein stark modifizierter (respektive erweiterter) X86-Prozessor – Zudem können Entwickler effektiv 8 GB vom modernem GDDR5-Arbeitsspeicher nutzen, was eine kleine Sensation ist, da man im Vorfeld von „lediglich“ 4 GB ausgegangen sei.

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Vor einigen Tagen/Wochen erschien ein relativ echt wirkendes Foto eines Playstation 4-Devkits mitsamt eines Dualshock 4-Prototyps – Tatsächlich hat der Prototyp erhebliche Ähnlichkeit mit dem jetzt vorgestellten Controller: Wie also bereits im Vorfeld bekannt wurde, enthält der Dualshock 4 ein Touchpad, ähnlich wie man es von der Playstation Vita kennt. Darüber hinaus gibt es einen „Share“-Button, welcher vor allem für die Social Media-Features angedacht ist. Die Analog-Sticks scheinen deutlich verbessert worden zu sein und weisen eine Einkerbung für die Daumen auf und auch überhaupt wirkt der Dualshock 4 deutlich griffiger als seine Vorgänger. Mittels eines blauen Leuchstreifens an der vorderen Kante des Controllers sollen die Spieler identifiziert werden können und können weiterhin von der neuen Playstation Eye-Kamera erfasst werden. Hier hat man sich ganz offensichtlich bei der bekannten Playstation Move-Technologie bedient.

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SOCIAL – because we know you want it.

Vergangenes Jahr investierte Sony rund 380 Millionen Dollar in den Streaming-Service Gaikai von Earthworm Jim-Schöpfer David Perry – Dieser spielt nun auch eine ganz wesentliche Rolle bei der Bewerbung der Playstation 4 – Der PSN-Store wird dahingehend erweitert, als dass Demos oder erworbene Download-Titel bereits gespielt werden können, während im Hintergrund die entsprechenden Datenpakete heruntergeladen werden. Zudem werden die Spielsitzungen mitgeschnitten – Per Share-Button kann das aufgezeichnete Material betrachtet und editiert und anschließend im Hintergrund hochgeladen werden. Alleine für die Bewältigung der Down- und Upload-Prozesse wird ein eigenständiger Chip verwendet. Ein relativ hübsches Feature ist der Suspend-Modus, eine Art Ruhezustand, in der die Konsole den laufenden Spielbetrieb komplett pausiert, der dann zu einem späteren Zeitpunkt erneut aufgenommen werden kann.

Ähnlich wie bei Microsofts Konkurrenz-Produkt Smartglass werden zudem auch Smartphones und Tablets eine ganz wichtige Rolle spielen (weil ey, Konnektivität und so): Es werden Apps angeboten, mit welchen Smartphone- und Tabletbesitzer unterwegs mit PSN-Freunden chatten sowie Content erwerben können, der dann parallel auf dem PS4 System daheim heruntergeladen wird. Zudem wird das PSN lernfähig gemacht: Abhängig von den eigenen Präferenzen bekommt man entsprechende Vorschläge im PSN-Store serviert. Langfristig will man sogar Wartezeiten auf die Weise umgehen, dass das lernfähige System seinen Benutzer so präzise analysiert, dass entsprechende Download-Inhalte bereits automatisch bei Verfügbar heruntergeladen werden. Eine gruselige Vorstellung, wenn man mich fragt.

Man will aus der Playstation 4  die „social platform for gaming“ machen – Dazu geht Sony laut David Perry Kooperationen mit diversen namhaften Firmen wie etwa Facebook oder UStream ein. UStream soll dann auch Features wie etwa „Multicasting“ anbieten.

Abgeschaut hat man sich letztlich auch was bei der Wii U: Was bereits im Ansatz im Zusammenspiel von PSP und PS3, PS Vita und PS3 angedeutet wurde, soll jetzt technisch nochmal verfeinert bis vollendet werden: Beanspruchen etwa die eigenen Kids das heimische Fernsehgerät, schnappt man sich schlicht den Handheld und zockt auf dem hübschen OLED-Display der Vita weiter. Dies soll langfristig betrachtet bei allen PS4-Titeln funktionieren.

Noch ein Feature, welches zwar nett aber sicherlich nicht bahnbrechend sein dürfte: Eine Art Remote Play-Support Funktion – Kommt man etwa als Spieler in einem beliebigen Titel an einer beliebigen Stelle nicht weiter, kann man seine PSN-Freunde online einladen, in das Spiel einzugreifen und Unterstützung zu leisten. Manch einer wird aufschreien und Untergangsvisionen von der immer weiter voran schreitenden Vercasualisierung der Spielercommunity heraufbeschwören, ich find es ist ein teilweise recht sinnvolles Feature, das im Zweifelsfall eben nicht genutzt werden MUSS.

Auch sämtlichen Hiobs-Botschaften über das Ende des Gebrauchtmarktes angesichts diverser Patentierungen von Sony hinsichtlich Kontobindungen etc. kann vorläufig Entwarnung gegeben werden: Shuhei Yoshida bestätigte, dass gebrauchte Spiele nach wie vor auf der Playstation 4 lauffähig sein werden.

Ich habe lange Zeit darauf gewartet, dass schlussendlich die Konsole selbst vorgestellt wird: Ironischerweise war dies zu keinem Zeitpunkt der Fall, weswegen ich vergleichsweise ernüchtert aus der Präsentation entlassen wurde. Man lässt sich wohl noch ein wenig Zeit bis zur diesjährigen E3, um dort schließlich die „Bombe“ platzen zu lassen. Das ganze Gerede um die Social Networking-Features und dergleichen interessierte mich, zugegebenermaßen nur beschränkt. Dazu bin ich leider zu wenig „social“ und widme Facebook auch nicht mein ganzes, nicht mal ein halbes  Leben. Meiner Meinung nach wurde der Fokus falsch gesetzt – Ich brauche keine halbstündige Abhandlung über einen Share-Button, wenn mich doch vor allem die technische Ausstattung des Gerätes interessiert. Dazu gab es schlussendlich nur wenig Informationen. Wie aber sieht es mit der Software aus, mit der eine Videospiel(!)konsole letztlich steht und fällt?

Next Generation Spielewelten?

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Killzone: Shadow Fall sieht hübsch aus, keine Frage. Der erhoffte Wow-Effekt hingegen fehlt.

Auch hier, in diesem wichtigen Punkt, hält sich meine Euphorie stark in Grenzen. Es wurden einige Titel vorgestellt – Es wurden Fortsetzungen einiger populärer Spielereihen gezeigt – Etwa ein weiteres Killzone von Guerrilla Games, mit der Untertitel „Shadow Fall“: Der Trailer zeigte ein paar nette non-finale Ingame-Szenen, welche mit ein paar durchaus attraktiven Szenerien aufwarten konnte: Gerade angesichts der für Playstation 3-Verhältnisse grafischen Pracht eines Killzone 3 kann die Next Generation-Premiere aber nicht den Wow-Effekt hervorzaubern, der vielleicht nötig gewesen wäre. Sowohl gameplay-technisch als auch grafisch präsentiert sich das Material eher als dezent aufpolierte, biedere Hausmannskost – DAZU hätte es einer neuen Konsolengeneration sicherlich nicht bedurft.

Ähnliches gilt für die Infamous-Fortsetzung Second Son, deren Trailer eine düstere Zukunftsvision heraufbeschwört – Eine totalitärer Überwachungsstaat und ein frischer „Held“ mit übermenschlichen Kräften, der das Interesse der Regierung weckt. Sieht interessant aus, die Atmosphäre stimmt  jedenfalls – Allerdings hat man weder inhaltlich noch spielerisch groß etwas gezeigt, weswegen ich weiterhin skeptisch bleibe.



Apropos Überwachung – Ubisoft zeigte neues, knapp 5-minütiges Ingame-Material zum bereits bekannten Watch_Dogs – Dieser zeigt den Anti-Held Aiden in Aktion, der sich mittels Smartphone in sämtliche computergestützten Systeme der Stadt Chicago einhacken kann. Das Material zeigte einen weiteren, tiefergehenden Einblick in die hochtechnisierte Open World des Spiels. Dabei zeigte Aiden sich im Trailer ungewohnt agil und macht Lust auf mehr. Im Rahmen der Ankündigung wurde zudem bestätigt, dass Watch_Dogs bereits zum Release der Playstation 4 verfügbar sein wird. Darüber hinaus wird Watch_Dogs aber auch noch für die Current Gen, d.h. für PS3, Xbox360, PC sowie Wii U erscheinen.

Für Überraschung sorgten Capcom mit einer Footage zum neuen Franchise Deep Down (vorläufiger Arbeitstitel), der eine düstere Fantasy-Welt zeigt. Grafisch ist der in Echtzeit gerenderte Trailer eine wahre Augenweide und basiert auf der neuen Phanta Rei-Engine, die vermutlich auch auf der Xbox 720 zum Zuge kommt. Das Ding erinnert vermutlich nicht nur mich an Capcoms Rollenspiel Schwergewicht Dragons Dogma und FROM Softwares Dark Souls-IP.



Ebenfalls im Fantasy-Genre beheimatet und mit einer neuen Engine ausgestattet, kündigte Square Enix für die E3 im Juni einen neuen Final Fantasy-Titel an, welcher auf der leistungsstarken Luminous-Engine basieren wird. Ob nun Final Fantasy 15 oder ein weiterer Ableger der 13er Serie, möglicherweise sogar das totgeglaubte Final „Fantasy XIII: Versus“, das bleibt abzuwarten. Der ebenfalls in Echtzeit gerenderte Trailer lässt die Muskeln spielen und zeugt ebenfalls von einer grafischen Opulenz, die seinesgleichen sucht.

Für die Rennspiel-Fans gab es das von den Motorstorm-Machern Evolution Studios  entwickelte Drive Club, welches mit fotorealistischen Wagenmodellen und einer team/social-basierten Komponente überzeugen möchte. Ich bin kein großer Fan des Rennsports, weswegen ich mich hier nicht großartig dazu äußern möchte. Allerdings hat man die Cockpit-Ansichten in anderen Rennsport-Titeln meiner bescheidenen Meinung nach auch schon einmal besser realisiert.



Mit Knack beteiligt sich auch der bereits genannte werte Herr Mark „Lead Architect“ Cerny an einem Launch-Titel für die Playstation 4. Im Gegensatz zu den bisher genannten Titeln scheint der Action-Plattformer eher auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten. Die comichafte Grafik steht dem Ganzen ganz gut zu Gesicht und vom Artdesign her scheint sich das Machwerk ein wenig an Jak & Daxter zu orientieren. Grafisch wirkt das Ding zwar noch sehr Current Gen-lastig, die wahre Stärke äußert sich aber in den extrem netten Physik-Effekten, die so auf der Playstation 3 sicherlich nicht ohne weiteres machbar wären.



Auch Halo-Schöpfer Bungie und Publisher Activision waren mit von der Partie und präsentierten mit Destiny deren jüngst vorgestelltes Universum – Zudem wurden exklusive Inhalte für die PS3- und PS4 Fassungen versprochen.

Blizzard bringt erstmals seit PSX-Zeiten einen Diablo (3)-Port für Playstation 3 und 4 mit, welcher netterweise einen lokalen 4-Spieler Coop-Modus anbietet. Ob man wohl zu viert parallel an einer Konsole Echtgeld im RMAH verbraten darf? Nett ist wohl auch hier das passende Adjektiv, denn etwas Weltbewegendes  ist das Ganze wahrlich nicht.

Zu guter Letzt: Braid-Entwickler Jonathan Blow liefert mit The Witness auch ein indieskes Puzzle-Spiel in einer traumhaften Umgebung, welches zunächst zeitexklusiv für die Playstation 4 kommt, später auch für die anderen Konsolen umgesetzt wird. Von mir aus dürften auch gerne weitere Indie-Titel folgen, dass die Sony-eigenen Studios ein Händchen für so was haben, haben sie ja bereits mit Journey bewiesen.

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Ein Blick auf die wunderhübsche Welt von The Witness

Fazit: Nett. Nett. Nett. Es gab keine Ankündigung, wo mir spontan der Sabber aus den Mundwinkeln lief. Es lief alles auf nette Fingerübungen der Entwickler heraus, die zwar schon irgendwie spielenswert aussehen, aber einer neuen Konsolengeneration irgendwie nicht so richtig würdig sind. Die größte Überraschung für mich ist dann auch schon „Deep Down“ von Capcom, welches für mich aus dem Nichts kam. Der Rest war hübsche Standard-Kost. Das Line-Up kann sich eigentlich sehen lassen, nur gab es keinen Moment, den ich in irgendeiner Weise als atemberaubend empfunden habe, der in mir spontan das Gefühl der (Kauf)begierde entfachen konnte. Den Fokus auf das Social Networking-Gedöns empfand ich als nervenzerrend und der ganze Marketing-Tenor der Veranstaltung war über die zwei Stunden hinweg betrachtet einfach furchtbar ermüdend. Das ist das erste Mal  im Laufe meiner Videospiel-Sozialisierung, dass die Ankündigung einer neuen Konsolengeneration mich vollkommen kalt lässt. Eine bedenkliche Entwicklung.

Als Schlusswort: Der genaue Stapellauf der PS4 ist nach wie vor unbekannt, als wahrscheinlicher Veröffenlichungszeitraum in Europa gilt jedoch Ende 2013.

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