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Published on November 2nd, 2013 | by Rostig

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Marlow Briggs and the Mask of Death (Review und Kritik)

Das Hack & Slay-Genre ist  ein relativ statischer Oligopolmarkt – Eine erlesene Prominenz  bestehend aus Halbdämonen,  vampiresken Racheengeln, Hexen, zornigen Spartanern und apokalyptischen  Reitern macht es Neuankömmlingen nicht leicht, sich innerhalb dieser unantastbaren Festung  einen Namen zu machen und einen Platz in diesem noblen Kreis zu sichern.  Genau das aber versucht der von den slowenischen  Entwicklern Zootfly erdachte Marlow Briggs – Mit der äußerst gesprächigen Totenmaske eines rachsüchtigen Maya-Königs als Kompagnon im Gepäck, muss sich der vom Feuerwehrmann zum „heiligen Krieger“ beförderte Briggs quer durch den mittelamerikanischen Dschungel schnetzeln, durch besessene Söldnerhorden, ekliges Ungeziefer und besitzergreifende Geister.  Willkommen bei Marlow Briggs and the Mask of Death!

Walking down to Xibalba!

Marlow Briggs Long

Um den skrupellosen Fiesling Long zur Strecke zu bringen…

Der chinesische Industrielle Long ist ein widerwärtiges Ekelpaket wie es im Buche steht – Er beutet nicht nur hemmungslos die Flora und Fauna  des mittelamerikanischen Dschungels aus, um dubiose Ausgrabungsprojekte auf der Suche nach wertvollen, alten Maya-Artefakten vorzunehmen. Er ist zudem noch ein äußerst skrupelloser Arbeitgeber, der seine Bediensteten wie räudige Sklaven behandelt, ohne daraus irgendeinen Hehl zu machen. Wer Kritik an seinem Führungsstil äußert, wird Opfer eines der zahlreichen „Arbeitsunfälle“ vor Ort.  Auch Eva, Briggs‘ Lebensgefährtin  gerät als Archäologin in die Fänge des größenwahnsinnigen Geschäftsmannes. Sie soll für ihn alte Steinplatten übersetzen, die eine Anleitung für ein blutrünstiges Ritual beinhalten, welches die ganze Welt in Gefahr bringen könnte.  Als sie realisiert womit sie es zu tun hat, möchte sie ihr Engagement abbrechen, wird von Long aber genötigt ihre Arbeit fortzusetzen. Um ihr Bestreben zu bekräftigen, lässt sie Marlow anreisen, der sie mit nachhause nehmen soll – Dieser wird aber in Folge eines „Arbeitsunfalls“ von Longs Gehilfin mit einer antiken Sense ermordet. Was Long vermutlich nicht geahnt hat: Jene Sense birgt übernatürliche Kräfte in sich und lässt Marlow Briggs als schlecht gelaunten Racheengel mit übermenschlicher Kraft wiederauferstehen. An seiner Seite: Ein äußerst gesprächiger, uralter Maya-Geist mit Hang zu blutlüsterner Theatralik. Fortan gilt es für den charismatischen, schwarzen Muskelprotz die Angebetete aus den Fängen des bösen Chinesen zu befreien und den eigenen Tod zu rächen.

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und seine Liebste Eva zu retten, muss der charismatische Feuerwehrmann Marlow Briggs…

Der Plot ist sicherlich kein intellektueller Geniestreich – Die ganze Storyline wird im Grunde in der anfänglichen, wenige Minuten andauernden, Cutscene offengelegt.  Um logische Zusammenhänge wird sich bei Marlow Briggs an keiner Stelle geschert. Auch müssen die beteiligten Protagonisten zu keinem Zeitpunkt ihr Handeln begründen oder legitimieren, Wendungen in der Geschichte werden ganz nebenbei per Deus Ex Machina-Prinzip eingeleitet. ABER: Das alles kann man dem Spiel und seinen Machern kaum vorwerfen – Marlow Briggs ist mehr wie eine Mischung aus dem alten Acclaim-Klassiker Shadow Man  und einer ungemein trashigen Indiana Jones-Hommage.  Das  Spiel nimmt sich zu keinem Zeitpunkt richtig ernst. Das merkt man ebenso  an der ausufernd actionreichen Inszenierung, wie an den ziemlich humorigen Dialogen zwischen Marlow und dem Maya-Geist und nicht zuletzt auch am Artdesign des Spiels, welches in bonbonbunter Optik umher stolziert. Die verbalen Scharmützel zwischen Marlow und seiner Maske, welche zuweilen auch die vierte Dimension durchbrechen, regen immer wieder zum Schmunzeln, manchmal sogar zum herzhaften Lachen an, etwa wenn heiß debattiert wird, wer nun wessen Sidekick ist. Aber auch Long mit seiner extrem überspitzten Evil Genius-Attitüde ist derart böse konzipiert, dass es einfach Spaß macht ihm bei seinen Weltherrschafts-Bestrebungen zuzusehen.

Die englische Sprachausgabe ist durchweg gelungen – Eine deutsche Synchronisation gibt es hingegen nicht. Wer kein oder nur wenig Englisch kann, bekommt zwar deutsche Untertitel geliefert, diese sind allerdings im Eifer des Gefechts nur schwer lesbar und zudem lückenhaft bis schlecht übersetzt. Soundtechnisch muss sich der Arcade-Titel ebenfalls nicht vor den großen Namen verstecken. In seinen krawallfokussierten Momenten kommen die üblichen episch-orchestralen Klänge zum Tragen, in den eher ruhigen Abschnitten erinnert die Sounduntermalung an die meditativen Tibetbesuche in Uncharted 2. Der Soundtrack hat also Blockbuster-Qualitäten. Ansonsten ist Marlow Briggs aber ein launiges, checkpointartiges Durchhasten von Actionsequenz zu Actionsequenz, durchweg kurzweilig und gut gemacht.

Forward Chuchu! Let ‘em feel the mighty power of the secret warrior

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sich durch riesige Industrieanlagen hangeln…

Spielmechanisch orientiert sich Marlow Briggs weitestgehend am großen Vorbild God of War – Das heißt folglich: Vier Nahkampfwaffen stehen zur Verfügung (die klassische Sense, Doppelklingen der Marke Wolverine, eine Peitsche mit hohem Angriffsradius sowie ein Widderkopf-ähnlicher Stab für besonders brachiale, aber langsame Angriffe), die mit goldenen Seelensteinen dreistufig aufgerüstet werden dürfen. Darüber hinaus stehen vier verheerende Elementar-Zauberkräfte zur Verfügung (Wind, Feuer, Donner, Eis), deren Einsatz aufgrund der beschränkten Mana-Kapazitäten aber wohl überlegt sein muss. Ebenso kann man zu guter Letzt auch noch mit Pfeilen um sich schießen. Marlow weist in etwa dasselbe Bewegungsrepertoire auf wie die üblichen Genre-Vertreter – Er hüpft, hechtet, weicht aus, blockt und schnetzelt sich durch eine massive Anzahl an Widersachern menschlicher, tierischer und dämonischer Natur – Angriffe können je nach Gegnertyp unterschiedlich effektiv sein. Geschosse, Projektile und Sprengköpfe können zu ihren Erzeugern zurückgeworfen werden und Gegner gepackt, geworfen oder zum Mitstreiter konvertiert werden. Die Steuerung ist intuitiv, die Umsetzung der Befehle ist absolut präzise und das Gegnerverhalten entspricht den gängigen Qualitätsstandards. In dieser Hinsicht gibt es also nichts zu bemängeln. Was hingegen schade ist, ist der Umstand, dass es beim Upgrade-System nur wenige Individualisierungsmöglichkeiten gibt. Waffen und Zauberkräfte werden in linearer Abfolge freigeschaltet, in der Regel hat man nach kurzer Zeit genügend goldene Seelensteine zur Verfügung, um die begehrte Fähigkeit komplett auszurüsten.  Hier wäre es schön gewesen, wenn man potentiell mehr Fertigkeiten zur Auswahl hätte, aber den Ausbau des einen oder anderen Skills abwägen müsste. Außerdem ist das Gegnerportfolio vergleichsweise überschaubar – Die immer gleichen Söldnertruppen (einfache Schläger, flinke Profis und eher grobschlächtige Pyromanen), giftige Insekten und das gleiche nochmal in besessener Form zuzüglich Zwischen- und Boss Gegner, viel mehr ist da nicht –Abgesehen davon ist die Combojagd aber grundsolide und schnörkellos brachial geworden.

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… und durch dichte Dschungel kreuchen. An seiner Seite ein zorniger Maya-Gott, der immer mal einen trockenen Spruch auf den Lippen hat.

Wenn Marlow seine Gegner nicht gerade im Nahkampf auseinandernimmt, darf er sich hin und wieder auch an Geschütztürme oder in diverse Vehikel wagen, und selbige per Maschinengewehr ins Nirwana schicken.  Diese Passagen lockern das Gemetzel ebenso sehr auf, wie die gescripteten, hübsch aussehenden QTE-Sequenzen, in denen Marlow beispielsweise in einem Wagon durch eine verlassene Bergmine rast und Hindernissen entsprechend ausweichen muss. In der Regel sind diese QTEs an sogenannte Herausforderungen geknüpft – Meistens müssen alle goldenen  Kugeln in einem Rutsch eingesammelt werden. Die Herausforderungen sind vollständig optional – Die Zeiten werden mit Online-Bestenlisten synchronisiert, ansonsten wird man bei Bewältigung der Herausforderung aber nur mit einer größeren Menge Erfahrungspunkte belohnt. Diese kleinen Minispielchen können aus dem Hauptmenü heraus beliebig häufig angewählt werden. Und obgleich sie nicht immer in den Kontext des Spiels passen, empfinde ich sie als bemerkenswert vielfältig. Vom Horizontal Shoot `em`Up, über timingabhängige Geschicklichkeitsspielchen bis hin zu Moorhuhn-ähnlichen Schießbuden-Einlagen ist alles drin. Und: Marlow Briggs hat wohl die originellsten und zugleich nervtötendsten Credits der jüngeren Vergangenheit – Das Achievement an dieser Stelle war also wohlverdient :-) Jedenfalls sind dies kleine skurille Elemente, die den Indie-Charakter von Marlow Briggs and the Mask of Death unterstreichen.

Bonbonoptik und Fair Play

Grafisch präsentiert sich Marlow Briggs and The Mask of Death durchweg ordentlich  – An die großen Geschwister kommt es zwar nicht ganz heran, aber mit seinem bonbonbunten Look im mittelamerikanischem Setting  setzt der Titel zumindest markante Akzente. Und für Arcade-Verhältnisse sieht das Ding ohnehin ziemlich gut aus und lässt sich artdesigntechnisch irgendwo zwischen God of War und Uncharted positionieren. Die Kamerawinkel sind fest fixiert und folgen Marlow aus semi-isometrischer Perspektive, erfreulicherweise gibt es aber im Hinblick auf die Kameraperspektive keine nennenswerten Probleme. Man hat stets zu jedem Zeitpunkt den Überblick über die Spielfigur, auch wenn sie mal in die eine oder andere Ecke gedrängt wird. Ein Feld, an dem sich erfahrungsgemäß viele hochrangige Genre-Veteranen die Zähne ausbeißen. Ansonsten kann der Titel mit hübschen dreidimensionalen Standbildern aufwarten, die trotz ihrer Starre eine gewisse Dynamik vermitteln und die Handlung und ihre wichtigen Eckpfeilern geschickt fortführen.

Marlow Briggs ist vor allem Genre-Einsteigern sehr zu empfehlen – Es gibt vier Schwierigkeitsgrade (von einfach bis sehr schwer), welche extrem fair designt sind und eine angenehm sanfte Lernkurve bieten. Erst im letzten Drittel zieht das Spiel mit dem Schwierigkeitsgrad merklich an. Da man aber bis zu diesem Zeitpunkt mit der recht intuitiven Spielmechanik vertraut sein sollte, resultiert  daraus in der Summe nur wenig Frustpotential. Wenig Frust kommt nicht zuletzt auch wegen der fast inflationären Anzahl von Speicherpunkten auf – Vor nahezu jedem Abschnitt, der auch nur entfernt ein Todesrisiko in sich birgt, wird ein entsprechender Checkpoint gesetzt. Selbsternannte „Hardcore-Gamer“ werden sich an diesem Punkt vielleicht stören mögen, ich empfinde diese Designentscheidung jedoch  nicht als Spielspaß-schmälernd – Eher ist das Gegenteil der Fall.

Spielzeittechnisch darf man rund 8-9 Stunden in Marlow Briggs and the Mask of Death investieren – Das ist mehr als solide und gemessen am Budget-Preis von rund 15,00,- € ist das Preis/Leistungsverhältnis ein klares Verkaufsargument für diesen kleinen, aber äußerst feinen Titel.

Fazit: Marlow Briggs and the Mask hat Geheimtipp-Qualitäten und ist  durchgängig charmanter Schnetzelspaß aus dem Hause 505 Games, welches für schmales Geld äußerst spaßige Stunden garantiert –  Der Download-Titel kann sicherlich nicht mit seiner Innovationsfreude punkten, rührt  er doch munter die Erfolgsgeheimnisse zahlreicher Referenzen wie God of War, Castlevania und Uncharted in einem Topf um und würzt die ganze Suppe mit einer ordentlichen Portion Trash-Ästhetik und B-Movie-Flair – Aber wichtig ist ja im Grunde nur eines: Dass es schmeckt – Und das tut es. Das bonbonbunte Setting im mittelamerikanischen Dschungel, die verbalen Reibereien mit der laberfreudigen Totenmaske eines rachsüchtigen Maya-Gottes, ein durchtriebener Bad Ass-Oberschurke. All das macht Marlow Briggs and the Mask of Death zu einem extrem kurzweiligen, wie unterhaltenden Action-Feuerwerk, dass spielmechanisch zu jedem Zeitpunkt grundsolide Hausmannskost bietet. Ich würde mich daher freuen, wenn wir das charismatische Duo in einem weiteren Abenteuer zu Gesicht bekämen. Das Ende suggeriert zumindest, dass wir darauf berechtigterweise hoffen dürfen.

Getestete Version

Xbox360, ARCADE-TITEL (verfügbar über Xbox Live Marktplatz)

Sprachen

Englische Sprachausgabe, dt. Untertitel

Schnitte

Nein

Multiplayer und sonstiges

Bestenliste

Publisher

505 Games

Marlow Briggs and the Mask of Death (Review und Kritik) Rostig
Grafik
Sound
Gameplay

Summary:

4


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