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Published on März 20th, 2014 | by Rostig

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Vivek J. Tiwary, Andrew C. Robinson, Kyle Baker: Der Fünfte Beatle – Die Brian Epstein Story (Comicreview- und Kritik)

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Der Fünfte Beatle – Die Brian Epstein Story

Es gibt wohl nur etwas mehr als zwei Handvoll Bands, welche die Landschaft der Popmusik so einschneidend und nachhaltig verändert haben,  wie es die „Fab Four“ seinerzeit getan haben. Denkt man an die Beatles, denkt man unweigerlich auch an jene berühmten Pilzkopffrisuren und  aus dem Stehgreif heraus, könnte wohl ein nicht geringer Anteil von uns die Melodien von Songs wie „Let it be“, „Yesterday“ oder „Yellow Submarine“ mitsummen. Doch hinter den Kulissen waren die „Fab Four“ eigentlich die fantastischen Fünf – Denn maßgeblich am Erfolg der vier jungen Liverpooler beteiligt war ein gewisser Brian Epstein,  Freund und Manager der Beatles, der in seinem rastlosen und unbedingten Ehrgeiz nicht nur den Stil der Gruppe definierte, sondern auch den Kult initiierte und inszenierte, der bis heute Bestand hat. Nach außen hin eine schillernde und geschmacksichere Persönlichkeit, war Epstein in seinem Herzen eine tragische und einsame Figur. Die Graphic Novelle „Der Fünfte Beatle – Die Brian Epstein Story“, erschienen im Panini Verlag, erzählt die spannende und berührende Geschichte  des charismatischen Außenseiters, der die Beatles zu dem gemacht hat, als dass sie heute anerkannt werden.

WIE MAN EINE LEGENDE SCHAFFT

Wir schreiben das Jahr 1961 – Der Inhaber des bedeutenden Liverpooler Plattengeschäfts NEMS, Brian Epstein erhält von einer Kundin eine Anfrage nach einem Album namens „My Bonnie“ von Tony Sheridan and the Beat Brothers, welches über ein deutsches Label veröffentlicht worden ist.  Tatsächlich sind die Beat Brothers die Beatles, welche dem bis dato uneingeweihten Epstein als beste Band Liverpools vorgestellt werden,  die auch am darauffolgenden Wochenende im nahe liegenden „Cavern“-Club spielen würden. Brian Epstein beschließt das Konzert zu besuchen und erlebt es als eine Erfahrung, die einer Erleuchtung gleichkommt. Er spürt die Bedeutung, die der Musik der Liverpooler Jungs aus der Arbeiterschicht innewohnt und beschließt Kontakt mit ihnen aufzunehmen, obwohl er mit dem Management-Geschäft wenig vertraut ist. Tatsächlich beginnt zwischen den beiden Parteien eine Liaison, die einem Höhenflug gleicht. Brian Epstein ist ein Visionär, der große Dinge mit den Beatles vorhat – die Beatles als Weltphänomen, größer gar als Elvis Presley. Durch Ehrgeiz, Selbstvertrauen und auch ein bisschen Dreistigkeit vermag der sympathische Epstein einen Meilenstein nach dem anderen durchzuringen, obwohl ihn zunächst keiner so richtig ernst nehmen will. Während John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr zu immer strahlenderen Sternchen am Pophimmel werden, mit immer größeren Tourneen und spektakulären Verkaufsrekorden, hadert Epstein mit sich selbst: Durch seine Homosexualität, die im Vereinigten Königreich der 60er Jahre noch immer eine Straftat ist, und seinen jüdischen Hintergrund, ist er im Business gleich ein doppelter Außenseiter. Als heimlicher Schutzpatron der Band gedenkt er nicht, seine Sorgen mit seinen Schützlingen zu teilen – In seinem Stolz bleibt er ein zutiefst einsamer Mensch. Er schlittert zunehmend in die Drogensucht und nähert sich einem tragischen Ende.

“Wenn irgendjemand als fünfter Beatle bezeichnet werden sollte, dann Brian Epstein“ P. McCartney

leseprobe

Das Konzert der Beatles im Cavern gleicht für Epstein einer Erleuchtung

„Der fünfte Beatle – Die Brian Epstein Story“ ist als Hommage zu verstehen, an diesen vergleichsweise unbekannten Fünften. Im Laufe der Zeit hat es immer wieder diesen ungeschriebenen Titel gegeben, der verschiedenen Personen im Umfeld der Beatles zuteilwurde. Tatsächlich aber scheint man sich in Fachkreisen einig zu sein, dass niemand mehr derart intensiv am Erfolg der Beatles beteiligt gewesen ist. Mit „Der fünfte Beatle“ setzt Autor Vivek Tiwary dem tragischen „Mann hinter den Kulissen“ ein berührendes Denkmal.  Der episodisch gehaltenen Erzählstruktur merkt man seinen Background als Broadway-Produzent deutlich an – Es wirkt alles ein bisschen fragmentiert – Im Mittelteil wird oft von Ereignis zu Ereignis gehastet, ohne dass tiefer auf Details eingegangen wird – Die Graphic Novel ist letztlich vor allem für comicaffine Beatles-Fans gedacht. Auch Nicht-Beatles-Fans werden zwar durchaus ihren Spaß mit der einfühlsam geschriebenen Geschichte haben, dürften sich aber zeitweilig in der raschen Abfolge von Ereignissen ein wenig verlieren. Dies ist kein wirklich eklatanter Kritikpunkt, da die Geschichte trotzdem immer nah am Protagonisten bleibt, an seinen Freuden, aber auch Ängsten und Sorgen – Es wird ein faszinierendes Biopic einer schillernden Persönlichkeit gezeichnet. Brian Epstein wird als ein gewissenhafter und extrem ehrgeiziger Mann gezeigt, der innerlich zerrissen, dennoch ein beinahe väterlicher Ankerpunkt für die Band bleibt. Sicherlich wird der Mensch Brian Epstein etwas idealisiert, immerhin erwähnt Tiwary im Nachwort, dass einige Handlungselemente frei erfunden worden sind,  abgesehen von einigen Einzelheiten bleibt der Plot jedoch grundlegend authentisch.

GRANDIOSE ZEICHNUNGEN, LIEBEVOLLE AUFMACHUNG

Unterstrichen wird die Erzählung von den wirklich grandiosen, großformatigen Zeichnungen von Andrew C. Robinson, die sehr weich, farbenreich und schillernd anmuten. Die Figuren sind allesamt den realen Ebenbildern nachempfunden, wirken zugleich kantig und irgendwie zart. An einigen Stellen werden durch stark überspitzte Elemente besondere Kontraste geschafft: So wird etwa Presleys Manager Colonel Parker als bösartiger Gegenpol zum schöngeistigen Epstein dargestellt, ein gefräßiger und profithungriger Widerling. Die detailverliebten Zeichnungen vermitteln dieses bestimmte 60´s-Gefühl auf sehr eindringliche Art und Weise und wirken künstlerisch durchgehend hochwertig. Optisch ist „Der fünfte Beatle“ also in jedem Falle ein Genuss, auch als Nicht-Beatles-Fan. Adäquat hochwertig wirkt der sportlackierte Hardcover-Einband, dessen imposante Aufmachung umrahmt wird von dem Zusatzmaterial, etwa dem Skizzenteil, erläuternden Texten und zeitgenössischen Dokumenten. Als Gegenpol zu den opulenten Illustrationen von Robinson, wurde der chaotische Beatles-Trip zu den Philippinen im Mittelteil von Kyle Baker gezeichnet, der sehr abstrakt und cartoonesque wirkt. Für sich genommen vielleicht ein interessanter Stil, um die Absurdität der Unternehmung zu unterstreichen, fand ich die Zeichnungen von Baker einen Ticken zu schlampig.

Fazit: „Der fünfte Beatle – Die Brian Epstein Story“ ist eine durch und durch lesenswerte Graphic Novel, vor allem, aber nicht nur für Beatles-Fans, porträtiert der Comicband eine interessante Lebensgeschichte im Schatten einer der erfolgreichsten Bands aller Zeiten. Es ist aber auch eine tragische Geschichte über Einsamkeit und die fatalen Folgen von Selbstverleugnung und Verrat in einer Zeit, in der vermeintlich jeder durch das  Jahrzehnt swingte. Epstein wird als eine außerordentlich leidenschaftliche und inspirierende Persönlichkeit gezeichnet, die letztlich an sich selbst und den äußeren Gegebenheiten gescheitert ist. Eine tragische und spannende Geschichte, die durch die künstlerisch wirklich grandiosen Zeichnungen wunderbar unterstrichen wird. Die wertige Aufmachung und die interessanten Beilagen runden das Vergnügen zusätzlich ab. Mit „Der fünfte Beatle – Die Brian Epstein Story“ hat Panini einen wirklich schönen Comic zu fairen Konditionen auf den Markt gebracht. Im Übrigen ist bereits eine Filmumsetzung für die große Leinwand angedacht.

ISBN 978-3-86201-786-7

Umfang: 172 Seiten, farbig

Maße: 21,3 x 32 cm

Gebundene Ausgabe

Preis: 24,99 EUR Hardcover, erschienen bei Panini Comics

 

Vivek J. Tiwary, Andrew C. Robinson, Kyle Baker: Der Fünfte Beatle – Die Brian Epstein Story (Comicreview- und Kritik) Rostig
Story
Zeichnungen

Summary:

4.5


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