Entlassungen bei Warner Bros. Montréal und eine Analyse des Scheiterns

Laut unseren Kollegen und Kolleginnen von Eurogamer haben mehrere Entwickler*innen aus dem Warner Bros. Montréal Umfeld ihre Entlassungen bekanntgegeben.

Eine offizielle Bestätigung seitens des Publishers bleibt bislang aus. Mehrere WB Montréal Entwickler*innen aus allen Sparten haben via LinkedIn kundgetan, dass sie nach neuen Job-Offerten suchen würden. Die meisten scheinen zum 13. März 2026 gekündigt worden zu sein (zu allem Überfluss ein Freitag).

Das decke sich mit Äußerungen von Netflix-CEO Ted Sarandos, der vor Kurzem erklärte, dass der Deal um den Erwerb von Warner Bros. Discovery – bei dem final Paramount den Zuschlag bekommen hat – „von umfangreichen Kosteneinsparungen abhängig“ sei. Hier verweist Eurogamer auf GamesIndustry.biz als Quelle.

Games Sparte von Warner Bros. als ewiges Sorgenkind

Die Games-Sparte von Warner Bros. ist seit jeher ein Sorgenkind. Im Finanzbericht für das erste Quartal 2025 hat das Unternehmen einen Umsatzrückgang von 48 % verkündet, weil keine neuen Releases anstanden. Unmittelbar davor wurde ein geplantes DLC für Hogwarts Legacy gestrichen, es gab Entlassungen bei Rocksteady im Zuge des Suicide Squad-Flops, das Wonder Woman Spiel bei den mittlerweile geschlossenen Monolith Productions wurde ebenfalls gestrichen und die Server des Free-to-Play Brawlers Multiversus wurden abgeschaltet.

Im aktuellsten Finanzbericht bezeichnete Warner Bros. Discovery das Jahr 2025 als „signifikant“, schien das Gaming-Segment dabei aber weitgehend auszuklammern. Lediglich der Hinweis, dass die Videospiel-Pipeline nach der Übernahme durch Paramount Skydance neu aufgestellt werde ließ sich finden. Der Geschäftsbereich „Studios“ – zu welcher auch das Gaming-Geschäft gehört – verzeichnete einen Umsatzrückgang von 14 % gegenüber dem Vorjahr.

Eurogamer bat Warner Bros. Discovery um Stellungnahme.

Unsere Meinung zur Causa:

Warner Bros. Games hat vor allem aufgrund einer Vielzahl von Fehlentscheidungen einen schwierigen Stand, bei dem nun vor allem die Entwickler*innen die Leidtragenden sind: Vor allem die fetischhafte Fokussierung auf Games-as-a-Service wirkte ökonomisch selbstzweckhaft. Warner Bros. Discovery schien keine keine nachhaltige IP-Pflege im Sinn zu haben, stattdessen vor allem den kurzfristigen Profit.

Schauen wir uns zwecks einer kleinen Analyse die Hits aus dem Warner Bros. Games-Portfolio an:

Beispiel 1: Rocksteady hat seinerzeit mit der Arkham-Trilogie wohl das Superhelden-Genre narrativ und gameplaytechnisch von Grund auf revitalisiert und den Goldstandard gesetzt, wenn es um Einzelspieler-Erfahrungen mit Comic-Fundament gehen soll. Ich würde behaupten, ohne Arkham gäbe es die Spider-Man Titel von Insomniac nicht, und damit auch das kommende Wolverine nicht. Das letzte Spiel aus dem Hause Rocksteady war aber das maßlos gefloppte Suicide Squad: Kill the Justice League von 2024, das Warner Bros. Discovery mutmaßlich um die 200 Mio. Dollar gekostet hat.

Warum ist das Spiel trotz Batman-Lizenz, mit der man sich bei Rocksteady offenbar auskannte, gescheitert? Vermutlich sind auch aufgezwungene Visionen des Managements ein Grund für das Scheitern. Suicide Squad hat in seiner Entwicklungsgeschichte mehrere Ausrichtungen gehabt, bis es zum Semi-Live Service Game mit Saison-Format werden sollte. Die Folge: Repetitive Gameplay-Mechanismen, Online- und Multiplayer-Zwang und eine maue Story, die emotional kaum involviert. Warner Bros. hat hier offenbar größeres kurzfristig größeres ökonomisches Potential gesehen, als sich auf die Kernstärken des Teams zu fokussieren. Das nicht gänzlich unähnliche Gotham Knights (für welche das oben benannte Warner Bros Montréal verantwortlich war) ging bereits in eine ähnliche Richtung, und ist bei Spielerschaft und Presse ebenfalls abgeprallt.

Beispiel 2: Hogwarts Legacy war einer der Hits aus dem Warner Bros. Portfolio – hier ist ein Kindheitstraum für viele Potterheads in Erfüllung gegangen. Ein frei begehbares Hogwarts mitsamt seinen Ländereien, ein Action-Rollenspiel mit frei gestaltbarem Avatar und eine autarke Storyline, die sich von den Büchern und Filmen emanzipiert. Hogwarts Legacy war ein Bedürfnis für viele Fans und das erfolgreichste Spiel 2023 – Bis jetzt hat man 40 Mio. Einheiten weltweit absetzen können.

Es wären garantiert viele Abnehmer*innen für mögliche Story-DLCs da gewesen. Und ja, ein solches befand sich auch in Entwicklung, wurde dann aber ersatzlos gestrichen, ebenso eine geplante Definitive Edition. Als Begründung führte Warner Bros. Games an, dass man nicht sicher sei, ob die Inhalte denn substanziell genug für das geplante Preisetikett seien. Eine vage Begründung und ein weiteres Indiz, dass man nicht imstande ist, sich nachhaltig um eine Marke zu kümmern.

Stattdessen zirkulierte die Gerüchteküche um einen Nachfolger, der von Warner Bros. Games erneut als Multiplayer Live Service-Game angedacht wurde. Sollte das aber stimmen, dann würde Warner Bros. hier abermals an der Zielgruppe vorbei entwickeln. Ein Flop wäre dann quasi vorprogrammiert. Avalanche kann offenbar richtig gute Einzelspieler-Rollenspiele und solide Geschichten entwickeln. Stattdessen aber gedenkt man mutmaßlich, die Erfahrung erneut „langfristiger zu monetarisieren“. Ich hoffe natürlich, dass die Gerüchte sich nicht bewahrheiten und dass Paramount Skydance hier einen Riegel vorschiebt.

Beispiel 3: Mortal Kombat und der fehlende Support

Mortal Kombat dürfte ebenfalls eine der stärksten Marken von Warner Bros. Games sein. Die jüngeren MK Ableger der NetherRealm Studios waren allesamt Verkaufsschlager. Mortal Kombat 1 hat lange Zeit sogar Genre-Platzhirsche des Fighting Games-Metiers wie Street Fighter 6 übertroffen. Während ein SF6 aber konsistentes Wachstum vorweisen kann und von CAPCOM durchgehend mit Content-Updates versorgt wird, haben Warner Bros. und NetherRealm den Support bereits im Mai 2025 und damit bereits zwei Jahre nach Release eingestellt. Als Grund wurde die Arbeit am nächsten Projekt, vermutlich Injustice 3, angeführt. Durchaus dürfte aber auch ein Grund sein, dass MK1 sich wesentlich schlechter verkaufte als noch MK11 von 2019. Das dürfte nicht den internen Verkaufsprognosen von WB Games. entsprechen. Und obwohl das als Reboot geltende MK1 als eher durchwachsen wahrgenommen worden ist, kritisierten die Fans den kurzfristigen Support.

Hier zeigt sich abermals die WB Games. Symptomatik – Der kurzfristige Erfolg in Zahlen ist wichtiger als nachhaltige Markenpflege. Die Fighting Game-Mitbewerber wie CAPCOM, Bandai Namco und SEGA zeigen, wie es besser geht.

Beispiel 4: Liegengelassene Marken und Studios

Monolith Productions wurde mittlerweile geschlossen. Dabei war das Studio seinerzeit extrem renommiert für seine stylishen Ego-Shooter  – war für kultige Reihen wie Blood, Condemned, F.E.A.R., No One Lives Forever verantwortlich. Unter dem Publisherdach von Warner Bros. entwickelte das US-amerikanische Studio keine Shooter mehr, konnte aber mit den guten bis sehr guten Titeln im Herr der Ringe-Universum, Mittelerde: Mordors Schatten und Mittelerde: Schatten des Krieges, punkten, die eine innovative Mechanik namens Nemesis-System verwendeten. Ein Wonder Woman Spiel befand sich zudem in Entwicklung.

Und hier denke ich mir: Warum kein neues F.E.A.R. oder No One Lives Forever? Warum keine Implementierung des hervorragenden Nemesis-Systems in anderen Titeln, warum nicht mehr Informationshäppchen zum Wonder Woman-Game? Warum nicht generell mehr aus dem DC Universum holen?

Ferner haben wir die große The Matrix-Marke– hier gab es die fulminante, interaktive Grafik-Demo The Matrix Awakens von 2021, die seinerzeit für ordentlich Furore sorgte. Warum gab es hier keine weiteren Titel abseits von Enter the Matrix (2003) und The Matrix: Path of Neo (2005) – vermutlich sah Warner Bros. hier ein finanzielles Risiko, auch nachdem der Reboot Matrix Resurrections aus demselben Jahr an den Kinokassen scheiterte. Dennoch hat die Marke immer noch eine große Fanbase und bietet genügend eigenständige Stories für eine coole Software-Adaption.

Summa Summarum saß Warner Bros. immer schon auf einem Haufen von Studios und Brands, aus denen der Publisher schlicht nichts machte. Schade drum.

Das alles sind Gründe für das Scheitern von Warner Bros. Games, für die derzeitige Entlassungswelle und Restrukturierung der Unternehmenstochter. Man darf gespannt sein, wie sich die Sparte unter der Schirmherrschaft von Paramount Skydance entwickelt – richtige große Hoffnungen habe ich bei derartigen Mergern aber mittlerweile nicht mehr.