Generative KI wird in der Kreativbranche häufig (zurecht) kritisiert. Und so kann man wohl davon ausgehen, dass vermutlich keine größere Produktion in der Videospiel-Industrie mittlerweile ohne ihren Einsatz auskommt. Einen bislang unbestätigten, aber, sollte der Fall tatsächlich so eingetroffen sein, besonders perfiden Fall finden wir bei Saber Interactive.
Bei dem noch unveröffentlichten „Rideshare Stimulator“ – einer immersiven Fahrsimulation, die nach einer Mischung aus Crazy Taxi und Coffee Talk klingt – soll die originäre Chef-Autorin Stella Sacco inmitten der Entwicklung gefeuert worden sein. Grund dafür ist wohl der kostengünstigere Einsatz von Large Language Models – genauer ChatGPT, von welchem sie quasi ersetzt worden sein soll.
Auf BlueSky schrieb sie, dass die Entlassung im Dezember 2023 erfolgt sein soll. Auch für Sprecherrollen der Fahrgäste soll vollständig KI genutzt worden sein. Hingegen ist auf der aktuellen Steam Website kein Verweis auf den Einsatz generativer künstlicher Intelligenz vorhanden.

Sie schreibt diesbezüglich, dass die Entwicklung entweder an irgendeiner Stelle nochmal eine andere Richtung eingeschlagen haben müsse, oder dass der Einsatz der Technologie schlicht verheimlicht werde.
Saber Interactive hat sich mittlerweile dazu geäußert: CEO Matthew Karch betonte gegenüber The Verge, dass weder Saber, noch Unigine jegliche Autoren durch KI ersetzt hätten”, “(…) Das Spiel werde [aber] einen experimentellen Free Ride Modus aufweisen, der notwendigerweise KI implementieren müsse, da die Anzahl der Passagiere unbegrenzt sei. Man sei aufrichtig davon überzeugt, dass KI Tools sowohl Gameplay Erfahrungen verbessern oder erweitern können, wie auch NPC Verhalten.”
Auf diese Dementi hat Sacco wiederum reagiert: Demnach antwortete sie The Verge folgendes: „Abgesehen von meiner Empörung darüber, dass ich durch diese Aussage als Lügner bezeichnet werde, kann man nicht sinnvollerweise sowohl sagen, dass ‚Autoren die Geschichte geschrieben haben‘, als auch, dass ‚Computer den Text geschrieben haben‘“, so Sacco. „Wenn Fahrten, die ich geschrieben habe, darin enthalten sind, und auch Fahrten, die die KI geschrieben hat oder schreiben wird, dann wurde die KI dennoch eingesetzt, und ich wurde dennoch ersetzt, genau wie Saber es mir im Dezember 2023 mitgeteilt haben. Sie versuchen, es sich in beide Richtungen recht zu machen. Man kann im Teil der Aussage, der sich auf die Arbeitnehmer bezieht, nicht Recht haben, wenn man im nächsten Teil zugibt, dass man den Arbeitnehmern Arbeitsplätze weggenommen hat. Das ist lächerlich.“
Die Spielerschaft selbst hält sich mit Häme bzw. Kritik nicht gerade zurück – da heißt es dann etwa: „This strikes me as the kind of game that will live and die on the quality of its writing too (and VA work) too“, also „Das erscheint mir wie die Art Spiel, die eigentlich mit der Qualität ihres Writings (und der Sprecher:innenqualität) fällt.“ – eine sehr treffende Argumentation bei einem Spiel, dass dem Selbstanspruch gemäß mit realistischen Dialogen aufwarten möchte.
Zugleich betont Sacco, dass sie keinen Groll gegen das UNIGINE Entwicklerteam hege, sondern gegen „ein oder zwei unfähige AI-Führungskräfte bei Saber.“
Für uns hingegen steht fest, dass AI Slop im Videospielmedium nichts zu suchen hat. Und sollten Saccos Vorwürfe tatsächlich stimmen, dann hat sich Saber Interactive mit dieser Aktion reputationsmäßig wahrlich keinen Gefallen getan. Es ist beinahe ironisch und hier schließe ich mich gewissermaßen Sacco an: Wenn menschliche Autoren Inhalte erstellen, die anschließend durch KI ergänzt oder ersetzt werden, wirkt die Behauptung, niemand sei ersetzt worden, selbst erstaunlich kreativ. Vielleicht ist genau das die größte Farce an der Debatte: Während KI immer mehr Inhalte produzieren soll, scheint menschliche Arbeit zunehmend nur noch dann wertvoll zu sein, wenn sie sich durch KI einsparen lässt.
