Herr Werner wird zum Dieb: Der Carlsen Verlag veröffentlicht Kindercomic über Mut und Zivilcourage

27. August 2026von Martin Pilot
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Der Carlsen Verlag veröffentlicht am 1. September mit „Herr Werner wird zum Dieb“ einen Sachcomic, der ein bislang wenig bekanntes Kapitel aus der Zeit des Nationalsozialismus für junge Leser:innen ab zehn Jahren zugänglich macht. Im Mittelpunkt steht eine außergewöhnliche Geschichte von Zivilcourage, Kunst und dem Mut, im entscheidenden Moment das Richtige zu tun.

Sieben Gemälde vor den Nazis gerettet

1937 durchsuchten die Nationalsozialisten die Sammlung der Hamburger Kunsthalle nach Werken, die für die berüchtigte Münchner Propagandaausstellung „Entartete Kunst“ beschlagnahmt werden sollten. Der dort als Werkmeister und Hausmeister beschäftigte Wilhelm Werner fasste daraufhin einen riskanten Entschluss: Er „stahl“ sieben Gemälde der jüdischen Malerin Anita Rée aus dem Depot und versteckte sie in seiner Dienstwohnung, inmitten der Kunsthalle.

Damit bewahrte Werner die Werke vor der Beschlagnahmung und möglicherweise vor ihrer Zerstörung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs brachte er die Gemälde einfach wieder zurück an ihren ursprünglichen Platz. Über seine Tat sprach er zu Lebzeiten kein Wort. Erst nach seinem Tod machte seine Witwe die Geschichte öffentlich.

Erinnerungskultur als Comic

Andrea Offermann hat die Geschichte des zurückhaltenden Hamburger Tischlers auf Grundlage von Archivrecherchen, Gesprächen mit Familienangehörigen und Recherchen in der Hamburger Kunsthalle rekonstruiert. Herausgekommen ist ein 112 Seiten umfassender Sachcomic, der sich ausdrücklich an Leser:innen ab zehn Jahren richtet.

Herr Werner wird zum Dieb bildet ein eher leises Kapitel des Widerstands im Nationalsozialismus ab, zeigt aber Leser:innen ab 10 Jahren umso deutlicher, dass jeder zu Mut und Zivilcourage befähigt ist © Carlsen Verlag
Herr Werner wird zum Dieb bildet ein eher leises Kapitel des Widerstands im Nationalsozialismus ab, zeigt aber Leser:innen ab 10 Jahren umso deutlicher, dass jeder zu Mut und Zivilcourage befähigt ist © Carlsen Verlag

Gerade diese Form macht „Herr Werner wird zum Dieb“ besonders interessant. Erinnerungskultur wird hier nicht abstrakt vermittelt, sondern anhand einer konkreten Person und einer außergewöhnlichen Geschichte erzählt. Der Comic zeigt, dass Widerstand und Zivilcourage nicht immer spektakulär aussehen müssen,  manchmal bedeutet Mut auch schlicht, im Verborgenen das Richtige zu tun.

Und genau darin liegt die wohl große Stärke des Projekts: Die Geschichte der NS-Zeit wird jungen Leser:innen nicht nur erklärt, sondern emotional und visuell erfahrbar gemacht. Die Comicform ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang, ohne die historische Bedeutung des Themas zu verwässern.

Premiere in der Hamburger Kunsthalle

Passend dazu feiert „Herr Werner wird zum Dieb“ am 13. September um 11 Uhr dort Premiere, wo sich die Geschichte einst ereignete: in der Hamburger Kunsthalle. Im Rahmen der Ausstellung „This is the Modern World. Durchbrüche in der Kunst 1900–1960“ sprechen Andrea Offermann, der ehemalige Kurator der Klassischen Moderne Dr. Ulrich Luckhardt und die Enkelin Wilhelm Werners über den ungewöhnlichen Lebensweg des Kunsthallen-Mitarbeiters. Moderiert wird das Gespräch von der Journalistin Agnes Sonntag.

„Herr Werner wird zum Dieb“ erscheint am 1. September 2026, umfasst 112 Seiten und kostet 15 Euro. Der Sachcomic ist für Leser:innen ab zehn Jahren geeignet.

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Herr Werner wird zum Dieb 

 

 

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